Eine Rahmenerzählung über einen Mönch, der eine Frau nicht vergessen konnte
Das Andabhuta Jataka des Pali-Kanons, als Nummer 62 unter den Geburtsgeschichten des Buddha gezählt, wurde in Jetavana einem Mönch erzählt, der gestand, dass er sein Verlangen nach einer Frau, die er einst kannte, nicht aufgeben könne. Der Buddha sagte ihm, dass keine noch so vollkommene Abgeschiedenheit von der Welt jemals ausgereicht habe, die Leidenschaft im Zaum zu halten, und erzählte diese Geschichte aus der Vergangenheit, um dies zu zeigen.
Ein König und sein Hofgeistlicher am Würfelbrett
Vor langer Zeit, als Brahmadatta in Benares herrschte, wurde der Bodhisatta als Sohn der Königin geboren und wurde später selbst König. Er liebte das Würfelspiel, und sooft er gegen seinen Hofgeistlichen spielte, sang er beim Werfen einen Vers: dass Frauen, wenn sie die Gelegenheit bekämen, im Herzen stets untreu seien. Spiel um Spiel fielen die Würfel des Königs zu seinen Gunsten, und der Hofgeistliche verlor beständig.
Der Plan des Hofgeistlichen, einen Vers zu widerlegen
Durch wiederholte Niederlagen und durch das im Vers implizierte Urteil über Frauen im Allgemeinen gekränkt, beschloss der Hofgeistliche, ihn vollständig zu widerlegen. Er fand ein neugeborenes Mädchen, ließ es von frühester Kindheit an in einem siebenstöckigen Haus aufziehen und erlaubte nur Frauen, ihr zu dienen. Könnte er ein einziges Mädchen großziehen, dessen Lauterkeit unter keiner Prüfung wankte, so glaubte er, den Vers des Königs zum Schweigen zu bringen und sein Würfelglück zu wenden.
Der König erfährt von dem Experiment
Die Kunde von dem verborgenen Haushalt des Hofgeistlichen drang schließlich zum König, der sogleich erkannte, was der Hofgeistliche vorhatte, und beschloss, es zu prüfen. Er veranlasste, dass ein Mann, der sich auf leises Überreden verstand, sich nahe dem behüteten Haus niederließ. Dort eröffnete er einen kleinen Parfümladen und gewann nach und nach das Vertrauen der alten Dienerin des Mädchens, indem er vorgab, deren lange verlorener Sohn zu sein.
Ein geduldiges Vorgehen, dem die Abgeschiedenheit nicht Einhalt gebieten konnte
Durch die arglose Freundschaft der Dienerin wurde der verkleidete Freier allmählich näher an das abgeschiedene Mädchen herangelassen, als die Mauern des Hofgeistlichen es je hatten vorsehen können. Was jahrelange behütete Isolation verhindern sollte, nahm langsam Gestalt an, durch gewöhnliche Freundlichkeit und Geduld statt durch Gewalt, bis die Tugend selbst, auf die der Hofgeistliche seine Wette gesetzt hatte, nicht mehr dort stand, wo er glaubte, dass sie stehe.
Eine Abschiedsgeste, verborgen in einem Tanz
Bevor die Besuche des Freiers endeten, ließ das Mädchen einen kleinen Tanz vorbereiten, der vor dem Hofgeistlichen aufgeführt werden sollte. Darin ließ sie ihren geheimen Gefährten vortreten und den verbundenen Augen des Hofgeistlichen leicht den Arm berühren, ein stiller Beweis, den der Hofgeistliche selbst nicht kannte: dass bereits jemand das erreicht hatte, was seine sieben Stockwerke unberührt zu bewahren bestimmt waren.
Eine Gegenüberstellung, der ein falsches Vertrauen begegnete
Als der König den Hofgeistlichen das nächste Mal wegen seiner anhaltenden Niederlagen befragte, antwortete dieser in voller Zuversicht, dass sein Schützling noch genauso rein sei wie an dem Tag, an dem er sie aufgenommen hatte. Das Mädchen selbst bot an, die Sache durch ein Feuergericht zu entscheiden, eine Prüfung, in der sie die Wahrheit ihrer Worte beweisen wollte, indem sie ihre Behauptung laut vor den Flammen aussprach.
Ein Eid, der nur dem Wortlaut nach gehalten wurde
Vor dem Feuer stehend erklärte sie, dass niemals eine Männerhand sie berührt habe außer jener, die nun die ihre hielt. In genau diesem Augenblick trat ihr verborgener Gefährte vor und nahm ihre Hand, sodass ihre Worte zwar technisch wahr blieben, zugleich aber jedem, der verstand, was wirklich geschehen war, offenbarten, wie vollständig das Vertrauen des Hofgeistlichen fehlgeleitet gewesen war.
Die Identifizierung durch den Buddha
Nachdem er die Geschichte beendet hatte, offenbarte der Buddha, wer ihre Gestalten gewesen waren: Er selbst war der König von Benares, der die Prüfung in Gang gesetzt und sie genau so hatte verlaufen sehen, wie er es erwartet hatte.
Eine Lehre, die über eine einzelne Wette hinaus Bestand hatte
Was diese Geschichte dem bekümmerten Mönch bot, war kein Urteil über den Charakter einer bestimmten Frau, sondern eine schlichtere Wahrheit über die Grenzen der Abgeschiedenheit selbst. Tugend, die nur durch das Fehlen von Gelegenheit bewahrt wird, ist noch keine Tugend. Das siebenstöckige Haus, das das Gegenteil beweisen sollte, zeigte lediglich, wie wenig Mauern gegen den Sog einer Geduld vermögen, die mit genügend Zeit und stiller Geschicklichkeit angewandt wird. Die Wette des Hofgeistlichen wurde nicht am Würfelbrett verloren, sondern in dem Haushalt, den er errichtet hatte, um sie zu gewinnen. Die Lehre, die der König mitnahm, war dieselbe, die der Buddha nun dem Mönch darbot: Wahre Festigkeit des Herzens muss von innen her erworben werden und darf nicht aus der bloßen Tatsache geliehen werden, nie auf die Probe gestellt worden zu sein.
Wusstest du schon?
Kanonische Nummer
Jātaka Nr. 62 im Khuddaka Nikāya (Ekanipāta).
Gestalt des Bodhisatta
Der weise königliche Ratgeber und Priester in Benares.
Verkörperte Tugend
Paññā (Erkenntnis), die Aberglaube und Hochmut überwindet.
Philosophische Einsicht
Sittlichkeit wurzelt in Selbsterkenntnis und innerer Zucht, nicht in äußerem Zwang.
Kulturgeschichtlicher Bezug
Einblick in das höfische Würfelspiel und Zauberwesen im alten Indien.
Weitere Geschichten über Panna (Weisheit)
Buddha
Mehr aus Buddhismus
Verbundene Lehren
Dieselbe Lehre, widergespiegelt in verschiedenen Traditionen
