Ein König, der vor dem Morgengrauen zitternd erwachte
Diese Jātaka-Erzählung Nr. 77 des Pali-Kanons wurde vom Buddha im Kloster Jetavana erzählt. König Pasenadi von Kosala war mitten in der Nacht schweißgebadet erwacht, erschüttert von sechzehn seltsamen und bedrohlichen Träumen, die er allein nicht zu deuten vermochte.
Sechzehn Gesichte, die niemand erklären konnte
Unter den Träumen, die den Schlaf des Königs gestört hatten, waren vier schwarze Stiere, die aus den vier Himmelsrichtungen kamen, um auf dem königlichen Hof zu kämpfen, dann aber nur brüllten und dröhnten und ohne zu kämpfen davongingen; ferner winzige Bäume und Sträucher, die noch kaum eine oder zwei Spannen hoch blühten und Früchte trugen. Er hatte auch geträumt, dass Kühe Kälber säugten, die noch am selben Tag geboren waren, und dass kräftige Zugochsen ausgespannt wurden, während man junge Stiere an ihrer Stelle anschirrte, sodass die Wagen stillstanden. Eine blank gescheuerte goldene Schale im Wert von hunderttausend Münzen wurde einem alten Schakal zum Urinieren hingehalten, und ein tiefer Teich mit fünffarbigen Lotosblumen hatte nur an seinen Rändern klares Wasser, während seine Mitte schlammig war.
Priester, die nur Blut anboten
Erschüttert und um seine Krone bangend, ließ König Pasenadi bei Tagesanbruch seine Hofbrahmanen rufen. Ohne Zögern erklärten sie, die Träume kündigten seiner Herrschaft Unheil an, es sei denn, Tausende von Stieren, Pferden und anderen Tieren würden sogleich bei einem großen Opfer geschlachtet, um die Vorzeichen abzuwenden.
Eine Königin, die auf eine bessere Antwort hinwies
Königin Mallika war unbehaglich bei einer Lösung, die so viel Tod verlangte, um eine Handvoll Träume zu beantworten. Sie drängte ihren Gemahl, den Rat der Brahmanen beiseitezulegen und seine Gesichte stattdessen unmittelbar dem Buddha in Jetavana vorzutragen, in dem Vertrauen, dass derjenige, der alles klar sieht, zur Erkenntnis der Wahrheit eines Traumes kein geschlachtetes Tier benötige.
Ein Besuch, der das Opfer durch eine alte Erzählung ersetzte
Der König brach nach Jetavana auf und legte seine sechzehn Träume dem Buddha genau so dar, wie er sie empfangen hatte. Anstatt eine eigene Deutung zu geben, losgelöst von jeder Überlieferung, antwortete der Buddha mit einer Erzählung aus einer weit älteren Zeit, als ein anderer König von eben diesen Träumen erwacht war.
Ein König von Benares, der dieselben Träume erlebte
In jener fernen Zeit hatte ein König von Benares namens Brahmadatta genau das geträumt, was nun Pasenadi träumte. Seine eigenen Brahmanen gaben ihm denselben Rat, den Pasenadis Brahmanen soeben erteilt hatten: ein großes Opfer lebender Wesen, um jedes Unheil abzuwenden, das die Träume verkündeten. Die Vorbereitungen zum Schlachten begannen sogleich, und auf des Königs Geheiß wurde eine große Menge Tiere zusammengetrieben, um getötet zu werden.
Ein junger Brahmane, der nicht schweigen konnte
Unter den zum Opfer versammelten Brahmanen war ein junger und gelehrter Mann, der nicht hinnehmen konnte, was seine Vorgesetzten vorbereiteten. Er legte dar, dass die Tötung so vieler Leben sich niemals mit den Schriften vereinbaren lasse, auf die sich die Priester selbst beriefen, und dass wahre Weisheit niemals Blut als ihren Preis verlangen könne.
Ein Einsiedler, der durch die Luft kam
Der Bodhisatta, der damals als Einsiedler im Himalaya lebte und durch seine eigene asketische Übung tiefe Einsicht besaß, erkannte aus der Ferne das Schlachten, das sich in Benares vorbereitete, und beschloss, dass es nicht unbeantwortet geschehen dürfe. Er reiste durch die Luft und nahm im eigenen Park des Königs Platz. Als der junge Brahmane ihn dort antraf, erkannte er sogleich einen Lehrer, der dem König eine wahrhaftigere Antwort geben konnte als jedes Opfer.
Ein König, der vor einen unerwarteten Lehrer geführt wurde
Der junge Brahmane brachte König Brahmadatta zu dem Einsiedler im Park. Der König stellte die bereits begonnenen Vorbereitungen zurück und trug seine sechzehn Träume vollständig vor, in dem Vertrauen, dass dieser unerwartete Besucher darin etwas erkennen könne, was seine eigenen Priester gänzlich übersehen hatten.
Eine Antwort, die kein Blut brauchte
Der Bodhisatta hörte jeden Traum des Königs der Reihe nach an und erklärte sie alle vollständig, zur Zufriedenheit des Königs. Jede Erscheinung, so zeigte er, deutete nicht auf eine Gefahr für Brahmadattas eigene Herrschaft, sondern auf den Charakter kommender Zeitalter. In jenen fernen Epochen, sagte er, würden Herrscher ungerecht werden, Minister korrupt, und die einfachen Menschen würden jener Tugenden vergessen, die jetzt das Reich des Königs in Frieden hielten. Über alle Maßen erleichtert, brach Brahmadatta das Opfer vollständig ab und ließ jedes versammelte Tier unversehrt frei.
Eine Lehre, die über zwei Regierungen hinweg weitergetragen wurde
Nachdem er die alte Erzählung beendet hatte, wandte sich der Buddha wieder Pasenadi zu. Seine eigenen sechzehn Träume, zeigte ihm der Buddha, trugen genau dieselbe Bedeutung, die der Einsiedler einst Brahmadatta gegeben hatte: Warnungen, die sich an eine ferne Zukunft richten, nicht an den König, der nun vor ihm stand. Pasenadi, der dies hörte, gab das Opfer auf, das seine eigenen Brahmanen gefordert hatten, und ließ jedes Tier frei, das in seinem Namen zur Schlachtung zusammengetrieben worden war.
Die Identifizierung durch den Buddha
Am Ende der Erzählung identifizierte der Buddha König Brahmadatta mit Ānanda und den jungen Brahmanen, der nicht zugelassen hatte, dass das Opfer ungeprüft fortgesetzt wurde, mit Sāriputta. Derselbe Mut, sich dem unnötigen Töten entgegenzustellen, und dieselbe geduldige Weisheit, Furcht mit Verständnis statt mit Blut zu begegnen, hatten sich ungebrochen fortgepflanzt. Sie wanderte vom alten Hof in Benares zum Park in Jetavana, wo die sechzehn Träume eines zweiten Königs endlich zur Ruhe fanden.
Wusstest du schon?
Kanonische Nummer
Jātaka Nr. 77 im ersten Buch (Ekanipāta), Attha-Kāma-Vagga.
Gestalt des Bodhisatta
Ein Einsiedler aus dem Himalaya von tiefer Einsicht, der durch die Lüfte flog, um die Träume eines Königs ohne jegliches Opfer zu deuten.
Verkörperte Vollkommenheit
Paññā (Weisheit), angewandt auf die Deutung seelischer Vorzeichen und die Rettung unzähliger Tiere vor dem Schlachten.
Historische Bedeutung
Ein wegweisender kanonischer buddhistischer Text, der die brahmanischen Blutopfer (Aññamañña yāga) ausdrücklich verwirft.
Prophetischer Kern
Die sechzehn Träume bilden eine der berühmtesten endzeitlichen Allegorien der buddhistischen Literatur und beschreiben den Verfall von Gesellschaft und Umwelt.
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Buddha
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Verbundene Lehren
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