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Embroidered artwork for Varshitap: Das einjährige Fastenritual im Jainismus: Embroidered Jain ahimsa palm with a gold wheel, white marble temples and lotuses at dawn

Varshitap

Das einjährige Fastenritual im Jainismus

Varshitap

Das einjährige Fastenritual im Jainismus

Varshitap ist eine der anspruchsvollsten spirituellen Fastenpraktiken im Jainismus, bei der Gläubige über ein ganzes Jahr hinweg jeden zweiten Tag fasten. Diese Praxis erinnert an die historische Lebensweise des ersten spirituellen Lehrers, Rishabhanatha, und dient als tiefe Prüfung der inneren Disziplin.

Der Jainismus ist eine der ältesten spirituellen Traditionen Indiens, die großen Wert auf Gewaltlosigkeit, Selbstbeherrschung und die Befreiung der Seele von weltlichen Bindungen legt. Innerhalb dieser Tradition nimmt das Fasten einen zentralen Platz ein, um den Körper zu zügeln und den Geist zu stärken. Eine besonders herausragende und verehrte Praxis ist das sogenannte Varshitap, ein Fastenritual, das sich über ein volles Jahr erstreckt.

Das Wort Varshitap leitet sich von Begriffen ab, die für Jahr und Askese stehen. Bei dieser strengen Praxis essen die Teilnehmenden an einem Tag eine einfache Mahlzeit und fasten am darauffolgenden Tag komplett, bei dem sie oft nur abgekochtes Wasser zu sich nehmen. Dieser Rhythmus von Fasten und Nahrungsaufnahme wiederholt sich über den Zeitraum von dreizehn Monaten ununterbrochen. Es erfordert nicht nur körperliche Ausdauer, sondern vor allem eine enorme mentale und spirituelle Stärke.

Historisch und traditionell erinnert das Varshitap an den ersten spirituellen Lehrer oder Tirthankara des Jainismus, Rishabhanatha. In den überlieferten Geschichten der Jains wander einst dieser große Lehrer ohne Nahrung umher und verbrachte lange Perioden in tiefer Meditation. Der Überlieferung nach dauerte sein Fasten sehr lange, bevor er schließlich mit bestimmten reinen Speisen wie Zuckerrohrsaft sein Fasten beendete. Die heutigen Gläubigen versuchen, diesen Geist der Entsagung durch ihr eigenes Fasten im Alltag nachzuempfinden.

Das Ende des Varshitap ist ein großes Ereignis in der Gemeinschaft und wird meist im Frühjahr gefeiert. An diesem Tag beenden die Fastenden ihr langes Jahr der Entbehrung traditionell, indem sie nach Sonnenaufgang frischen Zuckerrohrsaft trinken. Verwandte, Freunde und andere Gemeindemitglieder kommen zusammen, um diesen Moment der spirituellen Vollendung zu feiern, der als tiefe Reinigung der Seele und als Sieg über die eigenen Wünsche angesehen wird.

Wusstest du schon?

Bedeutung des Namens

Varshitap setzt sich aus „Varsha“ (Jahr) und „Tap“ (Askese) zusammen – wörtlich also „Jahresaskese“. Es bezeichnet eine der längsten regelmäßigen Fastenpraktiken im Jainismus.

Praktischer Ablauf

Die Fastenden essen an einem Tag eine einfache Mahlzeit und fasten am nächsten Tag vollständig, wobei nur abgekochtes Wasser erlaubt ist. Dieser Zyklus wiederholt sich über dreizehn Monate, nicht zwölf, da der Mondkalender berücksichtigt wird.

Historisches Vorbild

Das Ritual erinnert an den ersten Tirthankara Rishabhanatha, der der Überlieferung nach ein extrem langes Fasten hielt und es mit Zuckerrohrsaft brach. Die Gläubigen ahmen diesen Geist der Entsagung nach.

Abschlusszeremonie

Das Ende des Varshitap wird im Frühling gefeiert. Die Fastenden trinken nach Sonnenaufgang frischen Zuckerrohrsaft – eine symbolische Handlung, die die Reinigung der Seele und den Sieg über weltliche Begierden darstellt.

Gemeinschaftliches Ereignis

Der Abschluss ist ein großes Fest mit Familie und Gemeinde. Es gilt als spirituelle Vollendung und wird als tiefe Reinigung der Seele angesehen.