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Die zwei Hauptrichtungen des Jainismus

Digambara und Svetambara

Die zwei Hauptrichtungen des Jainismus

Digambara und Svetambara

Dieser Artikel erklärt die historischen Ursprünge, die unterschiedlichen Praktiken und Überzeugungen der beiden großen jainistischen Sekten – Digambara und Svetambara – und wie sie innerhalb der gemeinsamen Tradition miteinander in Beziehung stehen.

Der Jainismus ist eine alte indische Religion, die auf Gewaltlosigkeit, Wahrhaftigkeit und Entsagung basiert. Schon früh in seiner Geschichte entwickelten sich innerhalb der Gemeinschaft zwei Hauptrichtungen: die Digambara („die Himmelsgekleideten“) und die Svetambara („die Weißgekleideten“). Die Trennung entstand, so wird allgemein angenommen, vor etwa zweitausend Jahren, etwa im 1. Jahrhundert v. Chr. oder etwas später. Ein Auslöser war eine schwere Hungersnot, die dazu führte, dass ein Teil der Mönche in den Süden Indiens zog, während ein anderer Teil im Norden blieb. Als sie sich später trafen, stellten sie Unterschiede in Lehre und Praxis fest, die allmählich zu einer dauerhaften Spaltung führten. Allerdings gibt es verschiedene Überlieferungen zu den genauen Ursachen, und regionale Erzählungen weichen voneinander ab.

Der markanteste Unterschied zwischen den beiden Sekten betrifft die äußere Lebensweise der Mönche. Digambara-Mönche lehnen jeglichen Besitz ab, einschließlich Kleidung; sie gehen nackt, daher der Name „himmelsgekleidet“. Für sie ist vollkommene Besitzlosigkeit ein Zeichen höchster Entsagung. Svetambara-Mönche hingegen tragen weiße, einfache Kleidung. Sie erlauben auch das Tragen von Almosen-Schalen und einem Besen, um Insekten nicht zu verletzen. Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht in der Rolle der Frauen: Die Digambara glauben, dass eine Frau nicht die höchste Stufe der Erleuchtung (die Befreiung von allen Bindungen) erreichen kann, solange sie einen weiblichen Körper hat. Die Svetambara hingegen lehren, dass Frauen genauso zur Befreiung gelangen können wie Männer.

Auch in der Lehre und in den heiligen Schriften zeigen sich Unterschiede. Die Svetambara erkennen eine Sammlung von 45 Texten (die „Agamas“) als autoritativ an, von denen sie glauben, dass sie auf die ursprünglichen Jünger Mahaviras, des letzten großen Lehrers, zurückgehen. Die Digambara hingegen halten diese Texte für unvollständig oder verloren gegangen; sie stützen sich auf spätere Werke, vor allem die Schriften von Gelehrten wie Kundakunda und das „Shatakhandagama“. In der Geschichte der jainistischen Kunst stellt die Digambara-Tradition die heiligen Figuren meist nackt dar, während die Svetambara sie mit Kleidung und Schmuck abbilden.

Trotz dieser Unterschiede teilen beide Sekten die zentralen Grundsätze des Jainismus: den Glauben an unsterbliche Seelen, die durch gute Taten und Entsagung zur Befreiung gelangen können; die Verehrung der 24 Tirthankaras („Furtbereiter“ oder spirituelle Lehrer), von denen Mahavira der letzte ist; und vor allem das Prinzip der Gewaltlosigkeit (Ahimsa), das das Leben von Mönchen, Nonnen und Laien gleichermaßen prägt. Beide Gruppen erkennen die gleichen heiligen Stätten an, wie zum Beispiel den Berg Shatrunjaya in Gujarat und den Berg Shravana Belgola in Karnataka, und sie beten zu denselben Tirthankaras.

In der heutigen Zeit bestehen die beiden Sekten als eigenständige, aber respektvolle Strömungen nebeneinander. Es kommt vor, dass sie gemeinsam an Feierlichkeiten teilnehmen oder sich in ökumenischen Dialogen austauschen. In alltäglichen Angelegenheiten, wie etwa dem Bau von Tempeln oder der Unterstützung von Hilfsprojekten, arbeiten sie oft zusammen. Die Unterschiede werden nicht als feindliche Gegensätze, sondern als verschiedene Ausdrucksformen derselben spirituellen Suche verstanden. Für Außenstehende mag dieser Reichtum an Traditionen verwirrend wirken, doch innerhalb des Jainismus zeigt er, wie eine lebendige Religion über Jahrhunderte hinweg vielfältige Wege zur Erleuchtung bewahren kann.

Wer mehr über den Jainismus erfahren möchte, dem sei empfohlen, zunächst die gemeinsamen Grundwerte wie Gewaltlosigkeit und Respekt vor allem Leben zu verstehen. Dann, so sagt man, lässt sich die Vielfalt der Praktiken und Überzeugungen als harmonischer Ausdruck eines einzigen, tiefen Glaubens an Frieden und Reinheit sehen.

Wusstest du schon?

Historischer Ursprung

Die Spaltung zwischen Digambara und Svetambara geht auf eine schwere Hungersnot vor etwa 2000 Jahren zurück. Ein Teil der Mönche zog in den Süden Indiens, der andere blieb im Norden – als sie sich später trafen, hatten sich unterschiedliche Lehren und Praktiken verfestigt.

Äußere Lebensweise

Digambara-Mönche tragen keinerlei Kleidung („himmelsgekleidet“) als Ausdruck völliger Besitzlosigkeit. Svetambara-Mönche hingegen tragen weiße Gewänder, eine Almosenschale und einen kleinen Besen, um beim Gehen keine Insekten zu verletzen.

Rolle der Frauen

Ein zentraler Unterschied: Die Digambara lehren, dass eine Frau in ihrem weiblichen Körper nicht die höchste Stufe der Befreiung erreichen kann. Die Svetambara hingegen sehen Frauen als genauso fähig zur Erleuchtung an wie Männer.

Heilige Schriften

Die Svetambara erkennen 45 sogenannte Agamas als autoritativ an, die auf die direkten Jünger Mahaviras zurückgehen sollen. Die Digambara halten diese Texte für verloren und stützen sich stattdessen auf spätere Werke wie das Shatakhandagama und die Schriften des Gelehrten Kundakunda.

Gemeinsame Grundlagen

Trotz aller Unterschiede verehren beide Sekten dieselben 24 Tirthankaras (spirituelle Lehrer) und teilen das Kernprinzip der Gewaltlosigkeit (Ahimsa). Sie pilgern zu denselben heiligen Stätten, etwa dem Berg Shatrunjaya in Gujarat und Shravana Belgola in Karnataka.